Wer sind die Afrikaner und was ist die afrikaanse Kultur in Südafrika?
Juni 10, 2025
Afrikaans Kultur
Eine Einführung für Reisende in die Welt der Afrikaner: Sprache, Traditionen und lebendige Bräuche — von braai und biltong bis zu Kunst, Musik und dem Jubiläum von 100 Jahren als Amtssprache.
Ursprünge der Afrikaner & der Sprache Afrikaans
Afrikaner sind eine südafrikanische ethnische Gruppe, die hauptsächlich von niederländischen Siedlern abstammt, die 1652 am Kap der Guten Hoffnung ankamen. Zu diesen frühen Kolonisten kamen später französische Hugenotten und deutsche Einwanderer – daraus wuchs eine neue, in Afrika geborene Gemeinschaft.
Ihr niederländischer Dialekt entwickelte sich weiter und nahm Wörter aus Malaiisch, Khoisan-Sprachen, Portugiesisch und anderen Sprachen auf. Dieser kreolisch geprägte Dialekt wurde zu Afrikaans. Das Wort „Boer“ (ausgesprochen etwa „buur“) bedeutet wörtlich „Bauer“.
Niederländische Ankunft am Kap
Jan van Riebeeck richtet für die Niederländische Ostindien-Kompanie eine Versorgungsstation ein.
Der Große Treck
Tausende Afrikaner ziehen ins Landesinnere, um sich der britischen Herrschaft zu entziehen.
Anglo-Burenkriege
Brutale Konflikte zwischen britischen Truppen und den Burenrepubliken.
Afrikaans wird Amtssprache
Afrikaans ersetzt Niederländisch als Amtssprache Südafrikas.
Apartheid-Ära & Demokratie
1994 beginnt mit der Demokratie ein neues Kapitel des Zusammenwachsens.
Afrikaans heute
Afrikaans ist heute eine von 12 Amtssprachen. Dazu gehören nicht nur weiße Afrikaner, sondern auch Millionen Menschen aus der Coloured-Community am Kap – tatsächlich ist die Mehrheit der Afrikaans-Sprechenden nicht weiß.
Wichtige Afrikaans-Begriffe verstehen
Hier ist ein Glossar mit Begriffen, die dir in diesem Guide – und unterwegs – immer wieder begegnen werden.
Kulturelle & soziale Begriffe
Vom Niederländischen „braden“ (braten/rösten). Viel mehr als nur Grillen – es ist ein soziales Ritual rund ums Feuer, bei dem Fleisch über Holz oder Holzkohle gegrillt wird. Ein echtes Herzstück südafrikanischer Kultur.
Das wohl vielseitigste Wort im südafrikanischen Slang. Wörtlich „lecker“, aber gemeint ist: nice, super, klasse, genial. „Lekker braai!“ = „Richtig guter Braai!“
Eine warme, gemütliche, gesellige Stimmung – dieses Gefühl von „zusammen sein“ mit Menschen, die man mag. Ähnlich wie das dänische „hygge“.
Opa und Oma. Zu älteren Nicht-Verwandten sagt man oft auch „Oom“ (Onkel) und „Tannie“ (Tante) plus Vorname – das gilt als respektvoll.
Essen & Trinken
Von „bil“ (Hinterteil) + „tong“ (Streifen). Luftgetrocknetes, gepökeltes Fleisch mit Essig, Salz und Koriander. Im Unterschied zu Jerky wird es nicht geräuchert und bleibt schön zart.
„Boer“ (Bauer) + „wors“ (Wurst). Eine dicke, oft spiralförmige Rinderwurst mit Koriander, Muskat und Nelken. Laut Vorschrift muss sie mindestens 90% Fleisch enthalten.
„Bauernküche“ – herzhafte, bodenständige Küche mit europäischen Wurzeln und afrikanischen Einflüssen.
Slang für ein alkoholisches Getränk. „Bring 'n dop en 'n tjop“ = bring ein Getränk und ein Kotelett (Braai-Etikette!).
Zeit & Redewendungen
Sehr bald, gleich – „in einem Moment“. (Und ja: Das ist oft dringender als „just now“!)
Später, irgendwann – kann Minuten oder Stunden heißen. Wenn’s wichtig ist: lieber nachfragen.
„Ein Bauer macht einen Plan“ – der typische Spruch über Einfallsreichtum und Pragmatismus.
Boerekos: So schmeckt Afrikaans-Kultur
Die Küche der Afrikaner heißt „Boerekos“ (Bauernküche) – herzhaft, hausgemacht und geprägt von europäischen Wurzeln und afrikanischen Einflüssen.
Biltong
Luftgetrocknetes, gewürztes Fleisch – gepökelt mit Essig, Salz und Koriander. Im Unterschied zu Jerky wird es nicht geräuchert. Südafrikas Lieblingssnack mit viel Eiweiß.
Boerewors
„Bauernwurst“ – eine dicke, oft spiralige Wurst aus grob gewolftem Rindfleisch mit Koriander, Muskat und Nelken. Muss gesetzlich mindestens 90% Fleisch enthalten.
Bobotie
Ein Ofengericht mit Cape-Malay-Einfluss: würziges Hackfleisch mit Rosinen und Mandeln, oben eine leicht „puddrige“ Eier-Schicht. Für viele das inoffizielle Nationalgericht Südafrikas.
Potjiekos
„Essen aus dem Töpfchen“ – ein langsam geschmorter Eintopf im dreibeinigen Gusseisentopf über Glut. Goldene Regel: nicht umrühren!
Melktert
„Milch-Tarte“ – süße Pudding-Tarte mit zartem Teig, bestäubt mit Zimt. Jede Ouma hat ihr eigenes Geheimrezept – und sogar einen (inoffiziellen) „National Melktert Day“.
Koeksisters
Geflochtenes Hefegebäck, frittiert und in eiskaltem Sirup getränkt, bis es glänzt. Geht bis zu den niederländischen Siedlern von 1652 zurück.
Der Braai: Mehr als nur Grillen
Ein braai ist fast schon eine Lebensart – ein Ritual, das Menschen zusammenbringt. Der Unterschied zum klassischen Barbecue? Gegrillt wird über Holz oder Holzkohle (niemals Gas!), und genauso wichtig wie das Essen ist die Zeit am Feuer.
Braai-Etikette: Frag, was du mitbringen sollst – „bring 'n dop en 'n tjop“ (Getränk + Kotelett). Und ganz wichtig: den braaier niemals hetzen oder seine Feuertechnik kommentieren!
Geselligheid: Die Kunst des Feierns
Afrikaans-Kultur feiert im Geist der „geselligheid“ – warm, gemütlich, nahbar und gemeinschaftlich.
KKNK (Klein Karoo Nasionale Kunstefees)
Südafrikas größtes Afrikaans-Kunstfestival in Oudtshoorn. 2026 steht das 30-jährige Jubiläum an! Termin: 28. März – 4. April 2026.
Afrikaans is Groot
Eine Mega-Konzertreihe mit den größten Afrikaans-Pop- und Rock-Acts. Tausende füllen Stadien und singen die Hits aus voller Kehle mit.
Heritage Day / Braai Day
24. September – umgangssprachlich oft Braai Day. Menschen aus allen Communities feiern gemeinsam am Grill.
Kultura Festival
Festival in Durbanville, das das Afrikaans-Jubiläum mit Musik, Theater und Wein feiert.
KKNK Festival – Oudtshoorn
Austragungsort des Klein Karoo Nasionale Kunstefees
Sokkie-Tanzen
Auf Hochzeiten und Partys triffst du oft auf sokkie – einen Partner-Zweitakter zu Afrikaans-Pop. Der Name kommt von „sokkie-sokkie“ (Socken), weil die Füße eher schlurfen. Also: nicht schüchtern sein – einfach mittanzen!
Afrikaans in Kapstadt & der Western Cape
Die Western Cape ist die Wiege vieler Kapitel der Afrikaner-Geschichte. Rund die Hälfte der Bevölkerung der Provinz spricht Afrikaans als Muttersprache.
Afrikaanse Taalmonument
Sprachdenkmal zur Afrikaans-Geschichte
Orte, die sich lohnen
Taalmonument, Paarl
Das markante Sprachdenkmal, eröffnet 1975, erinnert an Afrikaans. Als Bonus gibt’s einen tollen Panoramablick über die Winelands.
Stellenbosch Wine Route
Südafrikas älteste Weinstraße (1971) mit über 200 Weingütern. Viele Estates sind seit Generationen in Afrikaner-Familienhand.
Stellenbosch Wine Route
Südafrikas älteste und berühmteste Weinregion
So begegnest du Afrikaans-Kultur
So kannst du respektvoll und mit Spaß in Afrikaans-Kultur eintauchen:
Umgangsformen & Etikette
Begrüßung
Fester Händedruck mit Blickkontakt. Zu Älteren: „Oom“ (Onkel) und „Tannie“ (Tante) plus Vorname – das zeigt Respekt.
Direktheit
Geradeheraus-sein wird geschätzt – nimm deutliche Worte nicht gleich persönlich. Freundliches Necken ist oft ein Zeichen von Sympathie.
„Now-now“ vs „Just now“
Now-now = gleich, sehr bald. Just now = später, irgendwann (kann auch Stunden heißen!). Wenn’s wichtig ist: lieber „Wann genau?“ fragen.
Gastfreundschaft
Wenn Kaffee oder Tee angeboten wird: annehmen. Ein freundliches Kompliment für Essen, Haus oder Garten kommt immer gut an.
Braai-Protokoll
Frag, was du mitbringen sollst. Den braaier nie antreiben oder kritisieren. Und: das Fleisch ruhig großzügig loben!
Trinkgeld
10–15% im Restaurant. Kleine Trinkgelder (R5–20) für Tankwarte, Car Guards und Einpacker sind üblich.
Nützliche Afrikaans-Sätze
Hallo / Goeie môre
huh-LOH / HOO-yuh MORE-uh — Hallo / Guten Morgen.
Baie dankie
BAY-uh DUNK-ee — Vielen Dank.
Lekker!
LEK-er — Nice / super / lecker / richtig gut. Das Schweizer Taschenmesser unter den Slang-Wörtern.
Totsiens
TOHT-seens — Tschüss / Auf Wiedersehen / Bis bald.
Kurz gesagt
Wer Afrikanern und Afrikaans-Kultur begegnet, bekommt auf jeder Südafrika-Reise einen ganz besonderen, menschlichen Blick aufs Land. Von einer Sprache, die aus drei Kontinenten geprägt wurde, über herzhafte Boerekos bis zu starken Gemeinschaftsbindungen und sich wandelnden Identitäten: Dich erwarten Wärme, Humor, Widerstandskraft – und jede Menge „lekker“ Gastfreundschaft.
Geh offen auf Menschen zu, besuch ein Festival, lern ein paar Sätze, sag „ja“ zur Braai-Einladung – und du nimmst nicht nur Eindrücke, sondern oft auch neue Freundschaften (und vielleicht ein paar Rezepte) mit nach Hause.
Quellen & weiterführende Links
More in Culture & Identity
- Kulturelle Sensibilität als ausländische Person in Kapstadt, Südafrika
- PART II: The South African Miracle: Lessons in Forgiveness, Unity, and Nation-Building
- PART I: The South African Miracle: Lessons in Forgiveness, Unity, and Nation-Building
- Werden Weiße in Südafrika systematisch unterdrückt?
- Racism Part 3: A Guide for Foreigners Navigating South Africa’s Racial Dynamics
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