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Wer sind die Afrikaner und was ist die afrikaanse Kultur in Südafrika?

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Juni 10, 2025

Südafrikanischer Kulturguide

Afrikaans Kultur

Eine Einführung für Reisende in die Welt der Afrikaner: Sprache, Traditionen und lebendige Bräuche — von braai und biltong bis zu Kunst, Musik und dem Jubiläum von 100 Jahren als Amtssprache.

Foto: MivanHoward via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
1925 – 2025

Afrikaans feiert 100 Jahre als Amtssprache

Am 8. Mai 2025 feierte Afrikaans sein 100-jähriges Jubiläum als Amtssprache Südafrikas – und würdigte den Weg von „Küchenholländisch“ zu einer lebendigen Sprache, die von über 7 Millionen Menschen gesprochen wird.

Ursprünge der Afrikaner & der Sprache Afrikaans

Afrikaner sind eine südafrikanische ethnische Gruppe, die hauptsächlich von niederländischen Siedlern abstammt, die 1652 am Kap der Guten Hoffnung ankamen. Zu diesen frühen Kolonisten kamen später französische Hugenotten und deutsche Einwanderer – daraus wuchs eine neue, in Afrika geborene Gemeinschaft.

Ihr niederländischer Dialekt entwickelte sich weiter und nahm Wörter aus Malaiisch, Khoisan-Sprachen, Portugiesisch und anderen Sprachen auf. Dieser kreolisch geprägte Dialekt wurde zu Afrikaans. Das Wort „Boer“ (ausgesprochen etwa „buur“) bedeutet wörtlich „Bauer“.

1652

Niederländische Ankunft am Kap

Jan van Riebeeck richtet für die Niederländische Ostindien-Kompanie eine Versorgungsstation ein.

1830er

Der Große Treck

Tausende Afrikaner ziehen ins Landesinnere, um sich der britischen Herrschaft zu entziehen.

1899–1902

Anglo-Burenkriege

Brutale Konflikte zwischen britischen Truppen und den Burenrepubliken.

1925

Afrikaans wird Amtssprache

Afrikaans ersetzt Niederländisch als Amtssprache Südafrikas.

1948–1994

Apartheid-Ära & Demokratie

1994 beginnt mit der Demokratie ein neues Kapitel des Zusammenwachsens.

Afrikaans heute

~7M
Muttersprachler
10.6%
der SA-Bevölkerung
3.
größte Muttersprache
12
Amtssprachen

Afrikaans ist heute eine von 12 Amtssprachen. Dazu gehören nicht nur weiße Afrikaner, sondern auch Millionen Menschen aus der Coloured-Community am Kap – tatsächlich ist die Mehrheit der Afrikaans-Sprechenden nicht weiß.

Wichtige Afrikaans-Begriffe verstehen

Hier ist ein Glossar mit Begriffen, die dir in diesem Guide – und unterwegs – immer wieder begegnen werden.

Kulturelle & soziale Begriffe

Braai
/braɪ/ — klingt wie engl. „cry“

Vom Niederländischen „braden“ (braten/rösten). Viel mehr als nur Grillen – es ist ein soziales Ritual rund ums Feuer, bei dem Fleisch über Holz oder Holzkohle gegrillt wird. Ein echtes Herzstück südafrikanischer Kultur.

Lekker
/ˈlɛkər/ — LEK-er

Das wohl vielseitigste Wort im südafrikanischen Slang. Wörtlich „lecker“, aber gemeint ist: nice, super, klasse, genial. „Lekker braai!“ = „Richtig guter Braai!“

Geselligheid
/xəˈsɛləxeɪt/ — gheh-SEL-lig-hate

Eine warme, gemütliche, gesellige Stimmung – dieses Gefühl von „zusammen sein“ mit Menschen, die man mag. Ähnlich wie das dänische „hygge“.

Oupa & Ouma
/ˈoʊpɑː/ & /ˈoʊmɑː/

Opa und Oma. Zu älteren Nicht-Verwandten sagt man oft auch „Oom“ (Onkel) und „Tannie“ (Tante) plus Vorname – das gilt als respektvoll.

Essen & Trinken

Biltong
/ˈbɪltɒŋ/ — BIL-tong

Von „bil“ (Hinterteil) + „tong“ (Streifen). Luftgetrocknetes, gepökeltes Fleisch mit Essig, Salz und Koriander. Im Unterschied zu Jerky wird es nicht geräuchert und bleibt schön zart.

Boerewors
/ˈbuːrəˌvɔrs/ — BOO-reh-vors

„Boer“ (Bauer) + „wors“ (Wurst). Eine dicke, oft spiralförmige Rinderwurst mit Koriander, Muskat und Nelken. Laut Vorschrift muss sie mindestens 90% Fleisch enthalten.

Boerekos
/ˈbuːrəˌkɔs/ — BOO-reh-koss

„Bauernküche“ – herzhafte, bodenständige Küche mit europäischen Wurzeln und afrikanischen Einflüssen.

Dop
/dɒp/ — reimt sich auf engl. „pop“

Slang für ein alkoholisches Getränk. „Bring 'n dop en 'n tjop“ = bring ein Getränk und ein Kotelett (Braai-Etikette!).

Zeit & Redewendungen

Now-now
/naʊ naʊ/

Sehr bald, gleich – „in einem Moment“. (Und ja: Das ist oft dringender als „just now“!)

Just now (Net nou)
/nɛt noʊ/

Später, irgendwann – kann Minuten oder Stunden heißen. Wenn’s wichtig ist: lieber nachfragen.

'n Boer maak 'n plan
/ən buːr mɑːk ən plɑːn/

„Ein Bauer macht einen Plan“ – der typische Spruch über Einfallsreichtum und Pragmatismus.

Boerekos: So schmeckt Afrikaans-Kultur

Die Küche der Afrikaner heißt „Boerekos“ (Bauernküche) – herzhaft, hausgemacht und geprägt von europäischen Wurzeln und afrikanischen Einflüssen.

Biltong

bil (Hinterteil) + tong (Streifen)
Aussprache: BIL-tong

Luftgetrocknetes, gewürztes Fleisch – gepökelt mit Essig, Salz und Koriander. Im Unterschied zu Jerky wird es nicht geräuchert. Südafrikas Lieblingssnack mit viel Eiweiß.

Boerewors

boer (Bauer) + wors (Wurst)
Aussprache: BOO-reh-vors

„Bauernwurst“ – eine dicke, oft spiralige Wurst aus grob gewolftem Rindfleisch mit Koriander, Muskat und Nelken. Muss gesetzlich mindestens 90% Fleisch enthalten.

Bobotie

Womöglich aus dem Malaiischen „boemboe“ (Curry-Gewürze)
Aussprache: buh-BOO-tee

Ein Ofengericht mit Cape-Malay-Einfluss: würziges Hackfleisch mit Rosinen und Mandeln, oben eine leicht „puddrige“ Eier-Schicht. Für viele das inoffizielle Nationalgericht Südafrikas.

Potjiekos

potjie (Töpfchen) + kos (Essen)
Aussprache: POY-kee-koss

„Essen aus dem Töpfchen“ – ein langsam geschmorter Eintopf im dreibeinigen Gusseisentopf über Glut. Goldene Regel: nicht umrühren!

Melktert

melk (Milch) + tert (Tarte)
Aussprache: MELK-tairt

„Milch-Tarte“ – süße Pudding-Tarte mit zartem Teig, bestäubt mit Zimt. Jede Ouma hat ihr eigenes Geheimrezept – und sogar einen (inoffiziellen) „National Melktert Day“.

Koeksisters

koek (Kuchen) + sister (Sirup)
Aussprache: COOK-sis-ters

Geflochtenes Hefegebäck, frittiert und in eiskaltem Sirup getränkt, bis es glänzt. Geht bis zu den niederländischen Siedlern von 1652 zurück.

Der Braai: Mehr als nur Grillen

Ein braai ist fast schon eine Lebensart – ein Ritual, das Menschen zusammenbringt. Der Unterschied zum klassischen Barbecue? Gegrillt wird über Holz oder Holzkohle (niemals Gas!), und genauso wichtig wie das Essen ist die Zeit am Feuer.

Braai-Etikette: Frag, was du mitbringen sollst – „bring 'n dop en 'n tjop“ (Getränk + Kotelett). Und ganz wichtig: den braaier niemals hetzen oder seine Feuertechnik kommentieren!

Geselligheid: Die Kunst des Feierns

Afrikaans-Kultur feiert im Geist der „geselligheid“ – warm, gemütlich, nahbar und gemeinschaftlich.

KKNK (Klein Karoo Nasionale Kunstefees)

Südafrikas größtes Afrikaans-Kunstfestival in Oudtshoorn. 2026 steht das 30-jährige Jubiläum an! Termin: 28. März – 4. April 2026.

Afrikaans is Groot

Eine Mega-Konzertreihe mit den größten Afrikaans-Pop- und Rock-Acts. Tausende füllen Stadien und singen die Hits aus voller Kehle mit.

Heritage Day / Braai Day

24. September – umgangssprachlich oft Braai Day. Menschen aus allen Communities feiern gemeinsam am Grill.

Kultura Festival

Festival in Durbanville, das das Afrikaans-Jubiläum mit Musik, Theater und Wein feiert.

KKNK Festival – Oudtshoorn

Austragungsort des Klein Karoo Nasionale Kunstefees

Sokkie-Tanzen

Auf Hochzeiten und Partys triffst du oft auf sokkie – einen Partner-Zweitakter zu Afrikaans-Pop. Der Name kommt von „sokkie-sokkie“ (Socken), weil die Füße eher schlurfen. Also: nicht schüchtern sein – einfach mittanzen!

Afrikaans in Kapstadt & der Western Cape

Die Western Cape ist die Wiege vieler Kapitel der Afrikaner-Geschichte. Rund die Hälfte der Bevölkerung der Provinz spricht Afrikaans als Muttersprache.

Afrikaanse Taalmonument

Sprachdenkmal zur Afrikaans-Geschichte

Orte, die sich lohnen

Taalmonument, Paarl

Das markante Sprachdenkmal, eröffnet 1975, erinnert an Afrikaans. Als Bonus gibt’s einen tollen Panoramablick über die Winelands.

Stellenbosch Wine Route

Südafrikas älteste Weinstraße (1971) mit über 200 Weingütern. Viele Estates sind seit Generationen in Afrikaner-Familienhand.

Stellenbosch Wine Route

Südafrikas älteste und berühmteste Weinregion

So begegnest du Afrikaans-Kultur

So kannst du respektvoll und mit Spaß in Afrikaans-Kultur eintauchen:

Umgangsformen & Etikette

Begrüßung

Fester Händedruck mit Blickkontakt. Zu Älteren: „Oom“ (Onkel) und „Tannie“ (Tante) plus Vorname – das zeigt Respekt.

Direktheit

Geradeheraus-sein wird geschätzt – nimm deutliche Worte nicht gleich persönlich. Freundliches Necken ist oft ein Zeichen von Sympathie.

„Now-now“ vs „Just now“

Now-now = gleich, sehr bald. Just now = später, irgendwann (kann auch Stunden heißen!). Wenn’s wichtig ist: lieber „Wann genau?“ fragen.

Gastfreundschaft

Wenn Kaffee oder Tee angeboten wird: annehmen. Ein freundliches Kompliment für Essen, Haus oder Garten kommt immer gut an.

Braai-Protokoll

Frag, was du mitbringen sollst. Den braaier nie antreiben oder kritisieren. Und: das Fleisch ruhig großzügig loben!

Trinkgeld

10–15% im Restaurant. Kleine Trinkgelder (R5–20) für Tankwarte, Car Guards und Einpacker sind üblich.

Nützliche Afrikaans-Sätze

Hallo / Goeie môre

huh-LOH / HOO-yuh MORE-uh — Hallo / Guten Morgen.

Baie dankie

BAY-uh DUNK-ee — Vielen Dank.

Lekker!

LEK-er — Nice / super / lecker / richtig gut. Das Schweizer Taschenmesser unter den Slang-Wörtern.

Totsiens

TOHT-seens — Tschüss / Auf Wiedersehen / Bis bald.

Kurz gesagt

Wer Afrikanern und Afrikaans-Kultur begegnet, bekommt auf jeder Südafrika-Reise einen ganz besonderen, menschlichen Blick aufs Land. Von einer Sprache, die aus drei Kontinenten geprägt wurde, über herzhafte Boerekos bis zu starken Gemeinschaftsbindungen und sich wandelnden Identitäten: Dich erwarten Wärme, Humor, Widerstandskraft – und jede Menge „lekker“ Gastfreundschaft.

Geh offen auf Menschen zu, besuch ein Festival, lern ein paar Sätze, sag „ja“ zur Braai-Einladung – und du nimmst nicht nur Eindrücke, sondern oft auch neue Freundschaften (und vielleicht ein paar Rezepte) mit nach Hause.

Veilige reis en geniet dit! — Gute Reise und viel Spaß!

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